1949 Gibson ES-350 Refret

Die Gibson ES-350 erschien 1947 als elektrifizierte Cutaway-Weiterentwicklung der ES-300 und gehörte in den späten 1940er-Jahren zu Gibsons besonders aufwendig ausgeführten Hollowbody-Modellen. Unser Exemplar stammt aus dem Jahr 1949 und repräsentiert bereits die frühe Ausführung mit zwei P-90-Tonabnehmern.
Mit ihrer Seriennummer A-3419 wurde diese ES-350 in Kalamazoo, Michigan gefertigt und besitzt ein bemerkenswert schön erhaltenes Cherry-Sunburst-Finish. Gerade bei Instrumenten dieses Alters ist der Zustand der Lackierung ein wesentlicher Teil ihrer Erscheinung: Das Rot des Bursts zeigt sich hier noch satt und lebendig, ohne die bei vielen alten Sunbursts zu beobachtende stärkere Verblassung. Die vollständig hohle Konstruktion aus Ahorn mit Decke, Boden und Zargen aus Maple wird durch einen dreiteiligen Ahorn-/Walnuss-/Ahornhals ergänzt. Das Griffbrett besteht aus Brazilian Rosewood und trägt die klassischen Mother-of-Pearl Split-Parallelogram-Inlays; die zugehörigen CITES-Dokumente liegen vor.
Die Ausstattung entspricht in wesentlichen Punkten dem repräsentativen Anspruch dieses frühen Gibson-Modells. Zwei Original Gibson P-90 Pickups werden über den charakteristischen Pickup-Selector-Pot sowie Volume- und Tone-Regler verwaltet. Potis, sowie Verdrahtung sind augescheinlich original – im Bereich des Cutaways können die Pickups per Poti ausgewählt werden, der eher wie ein Fader fungiert. Die Mittelstellung ist allerdings stumm, ein Zusammenmischen beider Pickups, bzw. ein Parallelbetrieb ist mit dieser Schaltung nicht möglich. Das könnte aber zukünftig auf Wunsch durch einen 3-Way Toggle Switch gelöst werden. Der Bridge-Pickup wurde fachgerecht von Kloppmann Electrics mit dem Originaldraht neu gewickelt. Bei einem Gewicht von lediglich 2,93 kg bleibt die ES-350 trotz ihrer stattlichen Archtop-Bauform angenehm ausgewogen.
Im Lauf von mehr als sieben Jahrzehnten sind einige nachvollziehbare Veränderungen vorgenommen worden. Die Mechaniken wurden gegen neuere Kluson Double Ring Tuner ausgetauscht, die Potiknöpfe ersetzt; die originalen Knöpfe sind jedoch enthalten. Die Schrauben der Jackplate sind nicht original, die Buchse selbst wurde ebenfalls einmal erneuert. Das Pickguard ist im Laufe der Zeit, vermutlich durch die lange Lagerung im Koffer, brüchig geworden und nicht mehr nutzbar, wird aber als Originalteil mitgegeben. Darüber hinaus erhielt die Gitarre bei uns eine vollständige Neubundierung einschließlich Abrichtung des Griffbretts. Nach der präzisen Bearbeitung der neuen Bünde im Plek-Verfahren ist die ES-350 wieder in einem technisch ausgezeichneten und optimal bespielbaren Zustand.
Gemessen an ihrem Baujahr von 1949 befindet sich diese Gibson ES-350 in einem sehr guten, authentisch erhaltenen Zustand mit moderaten Gebrauchsspuren. Kleinere Lackabplatzer finden sich rückseitig im Bereich des Übergangs von Hals und Kopfplatte; die Lackierung selbst präsentiert sich insgesamt bemerkenswert schön und farbkräftig. Zum Lieferumfang gehören das nicht mehr verwendbare originale Pickguard, die originalen Potiknöpfe, die CITES-Unterlagen für das Brazilian-Rosewood-Griffbrett sowie der originale Lifton Hardshell Case.
